ABBILD, BILD UND BILDER, GESICHTS-GENEALOGIE
2026

Goethe war schon zu Lebzeiten ein beliebtes Motiv in der Bildenden Kunst. Sein Abbild ist seither fester Bestandteil der Hochkultur, wurde wissenschaftlich erforscht und reicht von kunsthistorischen Betrachtungen mit einer Vielzahl an Publikationen bis zu massentauglichen Kitschobjekten, die ohne Kontext feilgeboten werden.

Was bedeutet diese Karriere von Goethes Abbild für einen Bildenden Künstler der Gegenwart?

Interessiert mich sein Antlitz überhaupt noch, und kann ich nach Warhols legendären Siebdrucken dem noch etwas Neues hinzufügen?



Für die Serien „Abbild, Bild und Bilder, Gesichts-Genealogie“ I & II und „Wie man Bilder aufnehmen soll“ I–VII habe ich diese Fragen mit JA beantwortet und mich auf zwei unterschiedlichen Arten mit ihnen auseinandergesetzt.



Die beiden Tableaus „Abbild, Bild und Bilder, Gesichts-Genealogie“ sind Wimmelbilder, welche biographische Fakten Goethes mit der Geschichte des Düsseldorfer Goethe-Museums verweben. Verbindend tauchen in beiden Tableaus Abbilder einer Goethe-Büste von Gottlieb Martin Klauer sowie des Goethe-Schiller-Denkmals von Ernst Rietschel auf. Sie verschmelzen mit der römischen Antike und öffnen einen Denkraum in eine andere Galaxie.

Orte, die Goethe zu Lebzeiten bereiste, überlagern sich mit Bildern seines Lebens und führen zum Schloss Jägerhof in Düsseldorf. So ist eine Raumansicht des Museums und ein Messingspiegel zu entdecken, Bilder, die ich 2007 als Studierender an der Kunstakademie bei meinem ersten Besuch des Museums aufgenommen habe. Außerdem wird einer Werbung des Museums aus den 1970er Jahren der Teppich im Schnee ausgerollt und es sind Postkarten aus der ehemaligen DDR zu sehen, die Goethes Haus am Frauenplan und sein Geburtshaus in Frankfurt zeigen.



In den historischen Vitrinen, die ihren Weg aus dem Palazzo Chippi in Leipzig mit der Sammlung Kippenberg nach Düsseldorf fanden, befindet sich die zweite Serie, die mit dem Titel „Wie man Bilder aufnehmen soll“ I – VII auf die Wandelbarkeit von fotografischen Abbildern verweist. Hier habe ich einen ererbte Goetheband von 1946 aus dem Wuppertaler Marees Verlag dekonstruiert und in Collagen neu zusammengesetzt. Der junge Goethe wird eins mit den Alten, und Fotografien von historischen Skulpturen schaffen einen Rahmen, der die Perspektiven zusammenhält. Die Collagen liegen zwischen, unter und auf Exponaten der Sammlung und öffnen einen Denkraum über die Lebendigkeit von Archivalien.



Die Intervention befindet sich in einem Raum, dessen Fenster sich zum ehemaligen Anwesen der Philosophen-Familie Jacobi öffnen, einer Familie, die auch auf Gemälden in diesem Raum zu entdecken ist und in derem Haus seit 1867 die Bildende Kunst mit dem Künstlerverein Malkasten einen Möglichkeitsort gefunden hat.



Christoph Westermeier, Januar 2026
Goethe-Museum Düsseldorf
Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung



Christoph Westermeier, (1984) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Thomas Ruff, Rita McBride und Christopher Williams. Seit 2024 ist er 1. Vorsitzende des Künstlerverein Malkasten.

Installationsansichten JMR-Dokumentation, 2026.. Goethemuseum-Düsseldorf, Sammlung Kippenberg, verschiedene Materialien, 2026.




---------------------------------------------------------------------------



Even during his lifetime, Goethe was a popular subject in the visual arts. Since then, his image has become an integral part of high culture; it has been the subject of academic research, ranging from art-historical analyses with a wealth of publications to mass-market kitsch objects peddled without context.

What does this evolution of Goethe’s image mean for a contemporary visual artist?

Am I still interested in his face at all, and can I add anything new to it following Warhol’s legendary silkscreen prints?



For the series ‘Abbild, Bild und Bilder, Gesichts-Genealogie’ I & II and ‘Wie man Bilder aufnehmen soll’ I–VII, I have answered these questions with a YES and engaged with them in two different ways.


 
The two tableaux “Abbild, Bild und Bilder, Gesichts-Genealogie” are hidden object pictures that interweave biographical facts about Goethe with the history of the Goethe Museum in Düsseldorf. As a connecting element, images of a Goethe bust by Gottlieb Martin Klauer and the Goethe-Schiller monument by Ernst Rietschel appear in both tableaux. They merge with Roman antiquity and open up a space for thought into another galaxy.

Places that Goethe travelled to during his lifetime overlap with images of his life and lead to Jägerhof Castle in Düsseldorf. Thus, a view of the museum’s interior and a brass mirror can be discovered—images I took in 2007 as a student at the Academy of Fine Arts during my first visit to the museum. In addition, a 1970s museum advertisement features a carpet rolled out in the snow, and postcards from the former GDR are on display, showing Goethe’s house on Frauenplan and his birthplace in Frankfurt.



The second series is housed in the historical display cases who found their way from the Palazzo Chippi in Leipzig to Düsseldorf alongside the Kippenberg Collection. Entitled ‘How to Take Pictures’ I–VII, it refers to the mutability of photographic images. Here, I have deconstructed an inherited volume on Goethe from 1946, published by Marees Verlag in Wuppertal, and reassembled it into collages. The young Goethe becomes one with the elders, and photographs of historical sculptures create a framework that holds the perspectives together. The collages lie between, beneath and upon exhibits from the collection, opening up a space for reflection on the vitality of archival materials.



The installation is situated in a room whose windows open onto the former estate of the Jacobi family of philosophers, a family that can also be seen in paintings within this room and in whose house the visual arts have found a space of possibility since 1867 through the artists’ association Malkasten.



Christoph Westermeier, January 2026
Goethe-Museum Düsseldorf
Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung


Christoph Westermeier (born 1984) studied at the Düsseldorf Art Academy under Thomas Ruff, Rita McBride and Christopher Williams. Since 2024, he has been the chair of the Malkasten Artists’ Association.

Installation views: JMR-Dokumentation, 2026. Goethe Museum, Düsseldorf, Kippenberg Collection, various materials, 2026.